Phunk Royal
Weihnachten - Die Review
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- Veröffentlicht am Dienstag, 27. Dezember 2011 15:03
- Geschrieben von Phunkroyal
Jaja, der Titel ist etwas zu reißerisch, doch wollte ich einfach mal mein Weihnachten für Euch kurz revue passieren lassen. Denn jeder hat was erlebt, ebenso wie ich.
Natürlich fängt Weihnachten ersteinmal irgendwie immer mit der Familie an (zumindest ist es bei mir so...ob einer von Euch stattdessen mit Hunden oder Aliens zusammenwar, weiß ich nicht). Im Kreiser seiner vorsätzlich liebsten gibt man sich denn nun hin, sich entweder reichlich beschenken oder aber reichlich befressen und besaufen zu lassen. In meinem Falle war nun allerdings weder das Eine noch das Andere der Fall. Doch dazu gleich mehr. Denn traditionell fahren meine Mutter und ich ersteinmal zu meiner Oma wo die ganze Festlichkeit stattfinden soll. Nun dort angekommen wird man ersteinmal erschlagen von den obligatorischen Weihnachtsdüften, die bei jeder Familie anders, aber immer doch vom selben Effekt belastet sind : man fühlt endlich und zum ersten Mal Weihnachten in diesem Jahr.
Der Geruch unserer Nordmanntanne war zwar nun nicht so intensiv wie der gewöhnlicher Fichten, doch aber so einnehmend, dass ich schon Probleme hatte zwischen dem ganzen Tannenharz und Nadelduft den olfaktorischen Faktor des Essen heraus zu bestimmen. Denn eine Mahlzeit darf schon seit Anbeginn der "maxischen Zeitrechnung" bei mir zu Weihnachten nicht fehlen : meine Chinesische Ente. Was das ist? Das ist Reis, Glasnudeln, Morcheln, Bambus, Sojabohnen, viel scharf und viel Entenfleisch. Klingt einfach und wenig spannend, ist aber allemal besser als Kartoffelsalat mit Würstchen, wovon ich allein schon vom Hören Pickel bekomme. Zu meiner allgemeinen Genugtuung befand sich mein Essen, welches in diesem Falle auch quasi wirklich nur meins ist, bereits im Ofen. Also war in meinen Augen für das Nötigste gesorgt und ich konnte mich an den für mich eher unangenehmeren Teil des Abends begeben : das Schmücken des Weihnachtsbaumes. Denn wie auch im jeden Jahr wird der Baum zwar besorgt und auch hingestellt, das Schmücken desselbigens obliegt nun allerdings seit 8 Jahren in meinen Händen. Während sich Mutter, Oma und Opa auf der Couch breitmachen und Loriot sehen (Familie Hoppenstedt sei hiermit freundlichst gegrüßt) stehe ich also davon weitab und schmücke den Baum zum ach so schönen und überhaupt nicht nervigen Weihnachtsgedudel von fistelnden Knabenchören. Schwarz-Silber sollte der Baum dieses mal werden, und das wurde er auch, denn ganz nach Opa Hoppenstedt´s Aussage "früher war mehr Lametta" habe ich den Baum dieses Mal quasi eingepackt in eine Wulst aus Lametta und Christbaumkugeln. Der Baum als solches war letzten Endes nun nicht mehr zu erkennen, doch das rührte uns nicht, denn selbst wenn ich den Baum mit Flugzeugträgern und Teebeuteln geschmückt hätte, hätte meine Oma dennoch, wie auch schon in den Jahren zuvor, gleich reagiert. Wie wundervoll und toll und einfach herrlich und bezaubernd schön er doch aussähe.
Ich will jetzt hier nicht so klingen, als würde ich was gegen meine Oma oder meine Familie als solches haben, doch mag ich einfach persönlich dieses festige Ausschmücken nicht. Da steht ein Baum, gefällt und trotzdem schön, wohllig duftend und harzend, und dann behängt man ihn mit viel zu teurem Krimskrams und Klimmbimm den man sich halt leider nur einmal ansieht. Ich finde das irgendwie verschwenderisch und etwas blöd. Aber das ist halt meine Meinung. Weiter im Text.
Sobald man dann den Baum für schön befunden hat, trifft man sich nun nocheinmal in der Küche und entschließt dann doch gleich wieder in das große Wohnzimmer zu gehen, weil man die Beschehrung doch jetzt schon abhalten könne. Gesagt getan. Im allgemeinen Durcheinander und Gewusel versucht nun ersteinmal jeder aus meiner Familie einen genauestens abgestimmten Plan aufzustellen wann wer welches Geschenk in welche Ecke legen dürfte, wobei er oder sie höllischst darauf aufpassen dürfte, ja in keine Ecke oder gar unter den Baum zu blicken, weil man sonst die für ihn bestimmen Geschenke sehen würde. Nach gefühlten drei Jahrzenten ist es dann endlich vollbracht. Die Geschenke liegen alle, unverpackt (denn sowas ist doof) in den jeweiligen Ecken. Oma hat die Kerzen am Baum angezündet ohne unter selbigen zu gucken und Opa hat den Fleck aus seinem Hemd bekommen. Weihnachten, du hast begonnen. Doch halt, oh nein, die Glocke fehlt. Die Glocke! Die wichtige bronzene Glocke die mir schon seit ich zwei Jahre alt war verkündet hat, dass nun beschert wird. Ohne diese Glocke passiert Weihnachten bei uns quasi nichts. Keine Glocke, keine Geschenke, so einfach ist das. Doch - haha hihi und hoho - Oma hatte sie noch in der Hand und es einfach genau so vergessen wie Brillenträger sich oft fragen wo denn ihre Brille sei, wobei sie einfach bei ihnen auf der Stirn ist, weil sie sie hochgezogen haben. Klingeling nun also und rein in den Raum. Besinnlich wird ein Lied gesungen, wobei weniger auf Text als allgemein ums gemeinsame Singen wert gelegt wird.
Von den Geschenken her möchte ich garnicht so sehr ins Detail gehen. Aber ich möchte soviel sagen: es war nicht gut. Doch Weihnachten ist kein Fest des Schenkens und Beschenken, sondern der Familie und Freunde, des Beisammenseins und der Freude aneinander. Und das wurde dann auch ausgiebig probiert in unserer Familie. Aber was ich nun erzählen würde, wäre für niemanden überraschend oder etwas Neues. Denn es ist allgemein bekannt, dass die ersten fünf Minuten zusammen mit der Familie immer noch ganz schön und beinahe sogar erträglich sind, doch sobald diese fünf Minuten vorbei sind, fällt bei irgendeinem Familienmitglied der Hebel um, und man muss über unangenehme Sachen reden oder es werden einfach die Fehler von vor achthundert Jahren hervorgekramt. Naja, die Besinnlichkeit ist dann meist schnell innerlich vorbei, doch wird sie gerne zum Schein oben behalten; ist ja schließlich Weihnachten.
Nach mehreren Stunden trauter Viersamkeit mit meiner Familie kam dann letzendlich noch Felix, mein weltallerbester Freund vorbei. Als gern gesehenes Mitglied unserer Familie und in spe eingetragener Stiefenkelsohn meiner Oma darf er zu Weihnachten ebensowenig fehlen wie nervige Weihnachtslieder. Nun wurde noch kurz weitergegessen und getrunken und geschnattert und geschwatzt und schnell kam wieder sowas wie Stimmung auf. Doch unterbrachen Felix und ich irgendwann dann diese Stimmung denn wir zogen von dannen. Nicht weil wir meine Familie nicht leiden können, sondern weil das bei uns so üblich ist nunmal. Man verbringt Weihnachten zusammen, doch zuviel ist nie zu gut, weswegen sich dann jeder in den Abendstunden wieder verkrümelt. Felix und ich krümelten uns in die Kalkscheune in Berlin zu "Ma Baker" Party. Dort angekrümelt kamen wir ersteinmal in den Genuß, den stetige Clubgänger nuneinmal haben: Freier Eintritt und Freigetränke. Normalerweise geht sowas auch immer ganz gut aus. Wir wissen mitlerweile wir viel wir trinken und vertragen und wollen zudem die Gastfreundlichkeit des Clubbesitzers auch nicht zu sehr ausreitzen. Doch dieses eine besondere Mal gaben Felix und ich uns voll die Kante.
Ich habe wenig Erinnerungen an den Abend. Ich weiß nur, dass er irgendwann um 13 Uhr Mittags bei mir vorbeiwar und ich lallend, singend, lachend und hicksend im Taxi nach Hause saß und mir dachte, dass Weihnachten eigentlich doch nicht so doof ist, wie ich es immer dachte.



